Artenschutzprojekt Schwalbenschwanz


Hintergrund

Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon L.) ist mit verschiedenen Unterarten in weiten Teilen Europas, Asiens, Nordafrikas und Nordamerikas beheimatet. Die in Deutschland vorkommende kontinentale Unterart Papilio machaon gorganus tritt gewöhnlich in zwei Generationen, in klimatisch begünstigten Gebieten auch in einer dritten, auf. Von April bis Juni (Frühjahrsgeneration) und von Juli bis August (Sommergeneration) fliegen die Falter. Zur Partnersuche versammeln sich die Schwalbenschwänze der weiteren Umgebung an exponierten, sonnigen Geländeerhebungen, wie Hügel- und Bergkuppen (hilltopping). Gleichzeitig setzen sich die Männchen auch mit Rivalen auseinander, wobei der Eindruck entsteht, dass die Schmetterlinge tanzen. Für die Eiablage werden vom Weibchen nur sehr junge und aromatische Pflanzen ungedüngter oder allenfalls nur sehr schwach gedüngter Wiesen ausgesucht. Wichtig ist ein lückiger Bestand der Raupenfutterpflanzen.

Zu den wichtigsten Nahrungspflanzen der Raupen zählen aromatische Vertreter aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae), wie z.B. Wilde Möhre, Kultur-Möhre, Fenchel, Pastinake, Dill, Kümmel, Petersilie, Echte Engelwurz und Kleine Bibernelle. Nach jeder Häutung verändert sich das Aussehen der Raupe, bis sie sich nach vier bis fünf Wochen verpuppt. In der Puppe vollzieht sich nun die eigentliche Metamorphose. Die geschlüpften Falter verlassen relativ schnell ihr Raupenhabitat und schweifen weit umher. Als Nahrung dient hauptsächlich der Nektar des Rotklees, aber z.B. auch des Löwenzahns, des Phlox, des Flieders und verschiedener Disteln.

Als Habitate bevorzugt der Schwalbenschwanz trockene und warme Gebiete, Trocken- und Halbtrockenrasen, sonnige Wiesen, Waldränder und Wegränder. Gemüsegärten, in denen Nahrungspflanzen der Raupen angebaut wurden, können ein wichtiges Raupenhabitat darstellen. Leider werden Stellen, an denen die für die Ernährung notwendigen Doldenblütler in lockeren Beständen vorkommen, immer seltener und damit die Fortpflanzung der Schmetterlinge erschwert oder unmöglich.

Ansonsten sind die Gefährdungsursachen für den Schwalbenschwanz folgende:

Der Schwalbenschwanz ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) eine besonders geschützte Art. In der Roten Liste von Niedersachsen ist er in die Kategorie 2: stark gefährdet eingestuft.

Alle im Rahmen des Projektes durchgeführten Maßnahmen (s. Projektdurchführung) dienen gleichzeitig auch der Erhöhung der Biodiversität in der „Normallandschaft“. Gerade die vor kurzem veröffentlichten Ergebnisse einer Studie zeigen, dass die Insektenmasse in Deutschland in den letzten 27 Jahren um 76% zurückgegangen ist.

Projektziele

Projektdurchführung

Im Rahmen des Projektes sollen auf 10 Grünlandflächen im Landkreis Northeim, die sich im Besitz des Instituts bzw. im privaten oder kommunalen Besitz befinden und dem Institut langfristig zur Nutzung überlasen wurden, Maßnahmen durchgeführt werden, um diese Flächen für den Schwalbenschwanz als Lebensraum attraktiv zu machen. Bei den Flächen handelt es sich meist um mesophiles und trockenes Grünland, das seit über 20 Jahren nicht gedüngt worden ist. Alle vorgesehenen Flächen unterliegen keinem gesetzlichen Schutz. Durch ein spezielles Pflegemanagement sollen gezielt diejenigen Pflanzen gefördert werden, die den Raupen als Nahrung dienen. Gleichzeitig wird aber auch das Angebot an blühenden Pflanzen erhöht, die den geschlüpften Schmetterlingen Nektar bieten. Vorgesehen ist es, ein Mähintervall zu praktizieren, welches den Bestand der wichtigen Futterpflanzen erhöht. Dabei soll eine Mahd immer nur auf Teilflächen erfolgen, um höhere Krautbestände zu bieten, aber gleichzeitig eine Verbuschung der Fläche zu verhindern. Ferner soll in kleinen Bereichen die vorhandene Vegetation durch die Aussaat von Futterpflanzen aus einheimischen Saatgut aufgewertet werden, die auf der Fläche noch nicht vorkommen, aber durchaus für den Standort geeignet sind.

Ein Teilprojekt, das ein Areal nahe der Ortschaft Bühle umfasst, profitiert zudem in hohem Maße von der Nähe zu einem angrenzenden Naturschutzgebiet („Halbtrockenrasen Mäuse- und Eulenberg“), das bereits zahlreiche Blütenpflanzen aufweist, und so für die geschlüpften Falter einen idealen Lebensraum darstellt. In einem vom Institut bewirtschafteten Garten, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu der zuvor genannten Fläche befindet, ist die Anpflanzung von weiteren Raupenfutterpflanzen vorgesehen, die auf der Hauptfläche nicht vor-kommen. Auf diese Weise soll das Angebot an aromatischen Nahrungspflanzen weiter erhöht werden. Bei der Durchführung der Maßnahmen ist die intensive Einbeziehung von Kinder- und Jugendgruppen vorgesehen. Darüber hinaus wird es regelmäßig Exkursionen mit Kinder- und Jugendgruppen zu den Projektflächen geben, in deren Verlauf die TeilnehmerInnen viel über die Biologie, die Reproduktion, die Habitatansprüche und die Ursachen der Gefährdung des Schwalbenschwanzes erfahren können. Im Mittelpunkt der Aktionen steht das Wahr-nehmen und Kennenlernen der verschiedenen für den Schmetterling wichtigen Pflanzen, sowohl für die Raupen- als auch die Imagoernährung. Sind die Raupenfutterpflanzen erst einmal bekannt, können diese gezielt nach den Raupen abgesucht werden. Die unterschiedlichen Entwicklungsstadien können anschaulich besprochen und erklärt werden.

Die TeilnehmerInnen erlangen umfangreiche Kenntnisse über den Schwalbenschwanz als Stellvertreter für die vielen heute durch Lebensraumzerstörung, Biozideinsatz und Über-düngung von Grünland bedrohten Schmetterlingen. Ergänzend zu dem Angebot auf den Flächen können sich die Kinder und Jugendlichen mit dem Thema Schmetterlinge anhand von vorbereiteten Zuchten verschiedener Schmetterlingsarten beschäftigen. Dies bietet sich besonders dann an, wenn im Freiland mal keine Raupen oder Puppen gefunden werden.

Projektdauer und Zielgruppe

Das Projekt soll über zwei Jahre laufen und zwar vom 01.04.2018 bis zum 31.03.2020. Um die Projektkosten möglichst gering zu halten und Personen aus allen Bundesländern anzusprechen, bietet sich die bislang sehr bewährte Zusammenarbeit mit dem Internationalen Schulbauernhof Hardegsen an. Auf diese Weise ent-fällt zudem die aufwändige Akquise der TeilnehmerInnen.

Projektträger

Das Institut für allgemeine und angewandte Ökologie e.V. in Hardegsen engagiert sich seit 1981 als gemeinnütziger Verein im Natur- und Umweltschutz. Ziel des Vereins ist es, durch Förderung von Forschung und Wissenschaft sowie durch Bildungsarbeit für die langfristige Sicherung der Umwelt und die Verbesserung der menschlichen Lebensgrundlagen einzu-treten. Dabei geht es sowohl um theore¬tische als auch um praktische Aspekte des Natur-schutzes - ein Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Kulturlandschaftspflege und dem Erhalt der Biodiversität von Flora und Fauna.

So betreut das Institut seit mehr als 25 Jahren ein Konvolut an ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen, die unter Naturschutzaspekten weiterentwickelt wurden, was u.a. zu einer deutlichen Erhöhung der Artenvielfalt geführt hat. Die Flächen wurden zwei Mal als offi-zielles Projekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ der Vereinten Nationen ausgezeichnet.

Das Institut ist darüber hinaus vom Land Niedersachsen als Regionales Umweltbildungs-zentrum (RUZ) zur Durchführung außerschulischer Bildungsarbeit anerkannt. Es ist Initiator und Hauptgesellschafter der im Jahr 2002 gegründeten gemeinnützigen GmbH „Internatio-naler Schulbauernhof Hardegsen“. Auf dem Hof erleben jährlich ca. 2.000 Kinder, Jugend-liche und Erwachsene Landwirtschaft, Ernährung und praktischen Umweltschutz unter dem Aspekt der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).