Einen Samen setzen und eine Idee verbreiten


Einleitung

Einem Bericht der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) zu Folge sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts weltweit rund 75% der Kulturpflanzen ausgestorben. Gegenwärtig verschwinden ca. 50.000 Arten pro Jahr.

Der Verlust von Kulturpflanzenvielfalt hat dabei gravierende Folgen. Dazu zählen u.a. weitreichende Veränderungen von Lebensräumen und Ökosystemen. Zudem macht die Fokussierung auf nur noch einige wenige Kulturpflanzen die Menschheit anfälliger für Hungersnöte, wenn einige dieser Pflanzen auf Grund von Krankheiten, Schädlingsbefall oder Extremwetterereignissen als Nahrungsmittel nicht den gewünschten Ertrag bringen.

Im Rahmen des Projekts sollen insgesamt 75 seltene oder vom Aussterben bedrohte Kulturpflanzen-arten bzw. -sorten auf einem neu anzulegenden Feld (inkl. dreier Frühbeete) regelmäßig angebaut werden. Ein Teil der daraus gewonnenen Saaten wird in einer eigenen kleinen Genbank mit einer geeigneten Kühlvorrichtung dauerhaft aufbewahrt. Die einzelnen Samen werden dann im Wechsel alle paar Jahre erneut ausgesät, um neues, keimfähiges Saatgut zu erhalten.

Der weitaus größere Teil der gewonnenen Samen wird an Kinder, Jugendliche und Erwachsene verteilt, die im Rahmen von Bildungsangeboten rund um das Feld und die Genbank die Gelegenheit erhalten, die bedrohten Kulturpflanzen neu zu entdecken, mit allen Sinnen zu erleben und selbstständig zu erforschen. Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen können die Samen dann im Schulgarten, im eigenen Garten oder auch in geeignete Gefäße auf dem Balkon einpflanzen und dauerhaft kultivieren. Auf diese Weise soll ein aktiver Beitrag zur Verbreitung der vom Aussterben bedrohten Kulturpflanzen geleistet werden.


Zwischenbericht

Die Fläche, auf der der Garten zur Vermehrung des Saatguts der alten Kulturpflanzen entstehen sollte, wurde dem Institut für allgemeine und angewandte Ökologie freundlicherweise von einem in Bühle ansässigen Landwirt zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um ein Randstück einer Ackerfläche mit lehmigem Ton, das aufgrund seines teilweisen Gefälles mit unterschiedlicher Exponierung ackerbaulich mit Maschinen schlecht nutzbar ist.

Im Spätherbst 2015 bereiteten die Mitarbeiter des Instituts die Fläche für das Pflügen vor. Daraufhin konnten noch vor dem Winter 2 Teilstücke der Fläche, die aufgrund des geringen Gefälles bearbeitbar waren, von dem Landwirt für das Institut gepflügt werden. So entstand am unteren Teil des Hangs ein Beet von ca. 100 m und am oberen Teil des Hangs, etwas weiter westlich, ein weiteres Beet von ca. 150 m.

Über den Winter trug die Frostgare dazu bei, die groben Kluten des lehmigen Tons zu zerkleinern. Um ein feinkrümliges Saatbett zu erhalten, musste die Fläche im Frühjahr vom dem Landwirt geeggt und anschließend von den Mitarbeitern des Instituts ein weiteres Mal mit einer leistungsfähigen Gartenfräse bearbeitet werden.

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Nach dem Pflügen im Herbst ist die Bodenoberfläche noch recht grob

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Das Fräsen im schweren Bodens ging recht langsam voran

Im Anschluss an die Arbeiten zur Saatbettbereitung konnte die Gesamtfläche zum Schutz vor Wildfraß umzäunt werden. Zusätzlich wurde eine der bearbeiteten Teilflächen von einem insgesamt 40 m langen Schneckenzaun aus Kunststoff eingefasst.

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Bau des 200 m langen Zauns um die Gesamtfläche

Parallel zur Vorbereitung der Beete auf der Fläche in Bühle wurden am Institut verschiedene Pflanzen in Töpfen und Kästen vorgezogen, um ein besseres Anzuchtergebnis zu erzielen. Darüber hinaus erfolgte aber auch die Aussaat von Saatgut in bereits an anderer Stelle bestehenden Gärten.

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Bei der Anzucht nahe des Institutsgebäudes konnten die jungen Pflanzen intensiv gepflegt werden

Für die Aussaat und die Gewinnung von Saatgut konnte die Anne Frank-Schule in Holzminden als Kooperationspartner gewonnen werden. Von den SchülerInnen wurde Hafer, Lein, Stangenbohnen und Erbsen angebaut. Anfang September erhielt das Institut das erste Erntegut zur Archivierung. Da die Kinder viel Spaß und Interesse an der Saatgutvermehrung hatten, wurden gleichzeitig drei Wintergetreidearten an die Schule abgegeben.

Samen setzen
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Die Schüler der Anne Frank-Schule präsentierten stolz das selbst erzeugte Saatgut

Mit Beteiligung von Kinder und Jugendgruppen wurden im Laufe des Jahres die vorgezogenen Pflanzen nach und nach in den Garten in Bühle ausgepflanzt.

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Hier werden Nachtkerzen, welche als Kulturpflanzen völlig in Vergessenheit geraten sind, ausgepflanzt

Im Spätsommer war bei einigen Gewächsen die Ernte von Samen möglich. Die SchülerInnen konnten sich bereits kleine Mengen in Tütchen abfüllen und gegebenenfalls mit nach Hause nehmen. Im Herbst wurde winterannueller Emmer, Weizen und Dinkel auf der Fläche angesät.