Gute Energie, schlechte Energie?!

Derzeit werden zur Energieerzeugung in Biogasanlagen im Wesentlichen Mais und Raps genutzt, deren Anbau aus Umweltschutzgesichtspunkten einige Nachteile mit sich bringt. Mit dem Projekt soll daher gezeigt und bekannt gemacht werden, welche Pflanzen alternativ zu den bisher gängigen Energiepflanzen angebaut werden können. Dazu wurden zwei Schauflächen angelegt. Die Schaufläche 1 zeigt eine Übersicht von Pflanzenarten in getrennten Beeten, die derzeit eine relevante mögliche Alternative darstellen, während auf der Schaufläche 2 eine spezielle Blühpflanzenmischung angepflanzt wurde.

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Zu Beginn des Projekts steht die frisch bearbeitete Fläche bereit.

Für die Schaufläche 1 wurde ein nicht mehr genutzter Acker rekultiviert und dadurch aufgewertet. Dieser befindet sich auf einer Fläche unterhalb des Grebenbergs, die dem Institut für Ökologie freundlicherweise von der Realgemeinde Angerstein (Landkreis Northeim) zur Verfügung gestellt worden ist. Es handelt sich um ein ca. 500 m² großes Areal an einem kleinen Bach, an dessen Ufern alte Trauerweiden wachsen. Das Fließgewässer erleichterte das Wässern der Pflanzen auf der Fläche im Laufe des Jahres erheblich. Die Grundbearbeitung des Bodens durch Pflügen und Eggen erfolgte durch einen ortsansässigen Landwirt. Im 2. Projektjahr wurde der Teil der Fläche, der für die einjährigen Arten vorgesehen war, erneut geeggt.

Die weiteren erforderlichen Arbeiten erfolgten durch die MitarbeiterInnen des Institutes für Ökologie unter Mithilfe von angeleiteten Kinder und Jugendgruppen. Im Einzelnen konnten sich die Kinder an:

Durch die gemeinsame Arbeit auf dem Feld wurde das Verantwortungsbewusstsein und Miteinander der TeilnehmerInnen gefordert und gefördert.

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Knollen des Topinambur werden eingegraben.

Auf der Schaufläche 1 wurden folgende Pflanzen angebaut:

Ackerbohne Vicia faba L.
Durchwachsene Silphie Silphium perfoliatum L.
Erbse Pisum sativum L.
Kleegras
Leindotter Camelina sativa L.
Rainfarn Tanacetum vulgare L.
Riesen–Chinaschilf Miscanthus x giganteus
Ringelblume Calendula officinalis L.
Topinambur Helianthus tuberosus L.
Wegwarte Cichorium intybus L.

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Erbsen werden gelegt.

Darüber hinaus wurden in zwei Streifen Stecklinge von Weide und Pappel gesetzt, um die Nutzung dieser Baumarten in Form von Kurzumtriebsplantagen für die Energiegewinnung zu thematisieren.

Im 2. Projektjahr mussten die einjährigen Arten erneut ausgesät werden. In den Stauden-beeten war intensive Beetpflege durch Handarbeit erforderlich, bis sich das Blätterdach geschlossen hatte. Erneut ausgesät wurden:

Ackerbohne Vicia faba L.
Leindotter Camelina sativa L.
Ringelblume Calendula officinalis L.

Die Pflanzenarten sind so zusammengestellt, dass sich an ihnen beispielhaft verschiedene Faktoren zeigen lassen, die die Bodenstruktur und damit die Bodenfruchtbarkeit positiv beeinflussen und die zu einer Erhöhung der Biodiversität beitragen. So kann das Kleegras auf der Fläche als Beispiel für einen Humusbildner und geeignete Pflanze zum Erweitern der Fruchtfolge nach dem Maisanbau betrachtet und untersucht werden. Beispielhaft für Dauerkulturen stehen das Riesen-Chinaschilf, der Topinambur und die Silphie sowie die Gehölzstreifen zur Erkundung bereit.

Zur Anschauung der Vorteile vom Anbau in Mischkulturen werden die dafür geeigneten Pflanzen Leindotter, Ackerbohnen und Erbsen gezeigt.

Besonders leicht und auch ohne Erläuterung erschloss sich den BesucherInnen der ökologische Nutzen der spätblühenden Pflanzen für die Insekten, insbesondere für Bienen. Hierzu zählen Topinambur, Durchwachsene Silphie, Ringelblume, Leindotter, Wegwarte und Rainfarn.

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Teilansicht der Schaufläche 1 im Juli: Im Hintergrund sind von Links nach Rechts Weidenstecklinge, Miscanthus und Topinambur zu erkennen, in der Mitte blühender Leindotter, vorne links blühende Ringelblumen, vorne rechts Ackerbohnen.

Die Schaufläche 2 befindet sich auf einem terassenförmigen Streifen ehemaligen Ackerlandes direkt auf dem Grebenberg. Hier wurde auf ca. 50 m² eine (von der Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe e.V. entwickelte) für die Energieerzeugung in Biogasanlagen nutzbare Wildpflanzenmischung aus ein- und mehrjährigen einheimischen Pflanzenarten (BG70) angesät.

Die Saatgutmengen wurden so zusammengestellt, dass im Laufe der 5 Nutzungsjahre ein gleich bleibender Biomasseertrag zu erwarten ist. Eindrücklich zu sehen war hier in beiden Projektjahren das große Nahrungsangebot für Insekten nach der Zeit der Rapsblüte.

Nach einer Dominanz der einjährigen Sonnenblumen im ersten Jahr und einer Mahd im Spätherbst entwickelte sich im 2. Jahr Hopfenklee Melililotus zum Hauptbestandsbildner.

Im Verlauf des Jahres wechselte mit dem Aufwachsen der Pflanzen auch der Schwerpunkt der Aktivitäten mit den Kinder- und Jugendgruppen jeweils von der praktischen Beteiligung am Anlegen der Beete hin zum Wahrnehmen, Erkunden und Erforschen der Pflanzen und der an ihnen lebenden Tiere. Im 2. Projektjahr ließen sich die sommerlichen Erkundungen noch besser durchführen als im ersten, da sich zwischenzeitlich die Stauden besser etabliert und eine beeindruckende Biomasse entwickelt hatten, die die Neugier der BesucherInnen weckte.

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Ausgiebige Erkundungen der Energiepflanzen.

Zunächst galt es dabei nach einer kurzen Einführung zum Thema " Energiegewinnung aus Pflanzen" selbige näher zu untersuchen. Die Kinder und Jugendlichen erhielten ausgiebig Gelegenheit, die einzelnen pflanzlichen Bestandteile näher zu betrachten, sie zu fühlen und an ihnen zu riechen.

Im nächsten Schritt untersuchten sie, welche Tiere von und an den Pflanzen leben. Dafür Stand ein Freiland-Equipment, u. a. bestehend aus Keschern, Schalen und Lupengläsern zur Verfügung. Es entwickelte sich dann ein reger Wechsel zwischen immer neuen Erkundungsgängen und dem gemeinsamen Auswerten der Funde. Dabei entwickelten sich Gespräche der Kinder untereinander über das Entdeckte, sowie Gespräche mit den BetreuerInnen über die Funde und über die ökologischen Zusammenhänge. Bemerkenswert gut wurden auch die Bestimmungsbücher als weitere Möglichkeit sich selbständig ergänzendes Wissen anzueignen angenommen.

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Ausgiebige Erkundungen der Energiepflanzen.

Im nächsten Schritt wurde dann die Umgebung der Schauflächen vergleichend erforscht. Die Kinder entdeckten dabei, dass der angrenzende Maisacker -anders als die Schaufläche- nur von sehr wenigen Insekten genutzt werden kann und dementsprechend artenarm ist. Sie konnten sich so den Wert alternativer Energiepflanzen für die Biodiversität der Agrarlandschaft selbst herausarbeiten.

Die auf dem Grebenberg vorhandene Fläche eines ehemaligen verfüllten Steinbruchs und die terassenförmigen Streifen mit Trockengebüschen und artenreichem Kulturgrasland dort boten eine ideale Möglichkeit, den jungen Menschen die Bedeutung der Erhaltung derartiger Areale für den Schutz der Artenvielfalt näher zu bringen. Nur durch eine regelmäßige Pflege, durch die solche Flächen offen gehalten werden und dadurch ihre Verbuschung verhindert wird, sind derartige trockenwarme Lebensräume für eine Vielzahl angepasster Tiere und Pflanzen zu erhalten. Das anfallende Landschaftspflegeholz kann als nachwachsender Rohstoff für die Energiegewinnung eingesetzt werden.

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Auch das Auswerten der Funde macht Spaß.

Das eigene Erkunden und Erforschen, welches in der Natur mit einer besonderen Anregung, Beanspruchung und Beschäftigung aller Sinne einhergeht in Verbindung mit der Möglichkeit, einem Betreuer/einer Betreuerin seiner/ihrer Wahl zu dem aus eigener Initiative Erforschtem Fragen zu stellen, führt zu einer besonders nachhaltigen Form des Lernens und ist geeignet, Interesse und Motivation für eine weitere selbständige Beschäftigung mit dem Themenbereich zu wecken. Dementsprechend waren die Kinder mit Begeisterung bei der Sache und jede Bildungsveranstaltung entwickelte ihre ganz eigene Dynamik. Es kamen mit jeder neuen Kindergruppe individuell etwas andere Fragen zu den Themenkomplexen Energieerzeugung aus Pflanzen, Artenreichtum, Lebensweise von Insekten, nachhaltige Landwirtschaft und zu den ökologischen Zusammenhängen auf.

Im Rahmen des Projekts wurde eine Schautafel im Format A0 erstellt, die interessierten BesucherInnen umfangreiche Informationen bietet.

Weiterführung

Die beiden Schauflächen bleiben bestehen und werden in den kommenden Jahren - zusammen mit dem rekultivierten angrenzenden Gelände - weiter vom Arbeitskreis Kulturlandschaftspflege beim Institut für Ökologie und dem Dorfverschönerungsverein Angerstein gepflegt. So ist gewährleistet, dass auch weiterhin Menschen, die das Gelände des Grebenbergs als Naherholungsgebiet besuchen, die Schauflächen betrachten können und zu den Pflanzen ergänzende Informationen über deren Rolle als alternative Energiepflanzen und ihren Nutzen, z.B. für die Artenvielfalt, durch die Schautafel erhalten.

Darüber hinaus werden dort weiterhin Bildungsveranstaltungen mit den Gästen des Internationalen Schulbauernhofs durchgeführt. Die weitere Verbreitung des Projektgedankens ist somit sichergestellt.